Schmunzler to go die 1.

Und nobel geht die Welt zugrunde…

Langsam, aber sicher; so scheint es mir heute. Und trotzdem stehe ich morgens auf, putze mir (mal früher, mal später) die Zähne und lege meine zum Pyjama umfunktionierten Hausklamotten beiseite. Immerhin brauche ich sie am Abend – sobald ich mich mit Hochleistung zum erneuten Zähneputzen überreden konnte – ja wieder.

Wenn das mal keine Zuversicht ist. Während rund um die Welt Kriege ausbrechen, Krankheiten ganze Völker bedrohen und in der Grundschule Lehrer weinend die Klassen verlassen – lege ich meinen „Pyjama“ schon am Morgen für den Abend zurecht. Na gut, ich will ehrlich sein. Er landet nicht zusammengelegt auf dem Kopfkissen, sondern zusammengeknüllt auf der Stoffbank hinter dem Bett. Aber es gibt ja auch wichtigere Dinge: Frieden, Gesundheit, sauberes Trinkwasser, Sicherheit, Glück… Und doch habe ich das Gefühl wenig dazu beizutragen, dass unsere Gesellschaft menschlich bleibt. Zuversicht reicht da nämlich wohl oder übel nicht aus.

Trotzdem kann ich nicht für das ganze Land Pfannkuchen backen, ich kann auch keinen rosa Elefanten ins Kriegsgebiet stellen damit alle Soldaten vor lauter Lachen den Frieden erklären und Glück kaufen, das könnte ich mir nicht mal leisten, wenn es im Sonderangebot wäre.        So simpel, so genial, so herzlich wie Kleinkinder die Welt sehen, so sollte sie doch sein – oder? So war sie doch einmal – oder etwa nicht?

Naja, wie dem auch sei, nobel geht die Welt zugrunde… das ist kein Versprechen, keine Gewissheit, kein Albtraum, sondern das Gefühl, das mich in letzter Zeit immer häufiger überkommt, wenn ich die Welt nicht begreife oder mehr noch, wenn ich Geschehnisse nicht begreifen will. Und da weder reine Zuversicht noch totale Verzweiflung weiterhelfen, schaue ich mich weiter um. Nobel geht die Welt zugrunde…also machen wir doch das Beste draus. Ja, und vielleicht ist schian dorneben nicht immer (ganz) vorbei – es gibt neben schwarz und weiß schließlich auch die unzähligen Farben dazwischen.

Wenn ich so nachdenke, habe ich ziemlich viel Glück. Unter anderem das Glück einen Opa zu haben, der wusste das Beste aus dem Leben zu machen, Hürden zu meistern und mit Lebensmut in die Welt zu treten. Dieser höchst charmante Mann von Opa lässt mich heute sicher sein: Jeder und jede kann das liebenswerte, tragische, schöne, wundersame und bereichernde im Leben lieben (lernen).

Ja, im Leben läufts nur selten nach Plan und oft geht was daneben. Sich trotzdem begeistern zu lassen und das Dasein zu lieben ist eine Kunst. Eine Kunst, die uns manchmal leichter und manchmal schwerer fällt; eine Kunst die sich aber mehr als lohnt. Also machen wir das Beste daraus, denn die Zeit, die wir haben, kann schön sein – wenn wir sie uns schön machen.

Ich für meinen Teil mach mir erstmal Musik an, die nicht jugendfreie. Danach bin ich bereit der Welt mit einem versöhnlichen Lächeln zu begegnen. Und der erste Mensch, dem ich heute zulächle, ist mein Spiegelbild….

(Frühling, 2023)

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